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Wie digitale Ersthelfer*innen des CSN bei IT-Notfällen gezielt Betroffenen helfen
Wie können Betroffene von IT-Sicherheitsvorfällen am besten unterstützt werden? Viele Menschen sind trotz wachsender Risiken im Netz nicht ausreichend geschützt oder informiert. Das Cybersicherheitsnetzwerk (CSN) des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat deshalb ein ehrenamtliches Team für die digitale Ersthilfe aufgebaut, das im Notfall konkret unterstützt und langfristig für mehr Bewusstsein für digitale Gefahren sorgt.
Wenn es um Katastrophenvorsorge geht, hat man schnell die klassischen Maßnahmen vor Augen: ausreichend Wasser, Lebensmittel und Medikamente auf Vorrat, die richtigen Versicherungen für Haus und Gut, autarke Stromquellen für einen Stromausfall. Im Gegensatz dazu scheint die Prävention in der Cybersicherheit zu abstrakt für viele Menschen zu sein, um sich proaktiv mit digitaler Katastrophenvorsorge zu beschäftigen. Diese Einschätzung legt zumindest der Cybersicherheitsmonitor 2026 nahe, eine jährliche repräsentative Befragung unter in Deutschland lebenden Internetnutzenden. Zwar informieren sich 14 % regelmäßig zu Cybersicherheit, ungefähr ein Viertel jedoch nie (24 %). Von insgesamt 19 vorgeschlagenen Schutzmaßnahmen sind lediglich etwa 6 bekannt, am häufigsten umgesetzt werden Schutzmaßnahmen wie die Verwendung von sicheren Passwörtern (46 %) und Virenprogrammen (40 %). Das Internet ist hierfür die wesentliche Informationsquelle. Um die deutsche Bevölkerung dahingehend besser und über verschiedene Kanäle zu schulen, bietet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein breites Informationsangebot an: von Checklisten für den Ernstfall über einen Newsletter zu aktuellen Bedrohungen und entsprechenden Sicherheitstipps bis hin zu einem Podcast, in dem ein aktuelles Thema vertieft und mit Bezug zur Lebenswelt der Verbraucher*innen dargestellt wird.
Was hilft bei digitalen Notfällen? Flyer vom Cybersicherheitsnetzwerk für Interessierte.
Digitale Krisenbewältigung basiert jedoch nicht nur auf der Umsetzung von technischen Schutzmaßnahmen. Social Engineering nutzt menschliche Eigenschaften wie Vertrauen und Hilfsbereitschaft aus, so dass Betroffene ein Passwort z. B. aus Sorge um einen Verwandten preisgeben, wodurch technische Schutzmaßnahmen umgangen werden. Das gezielte Stärken von Verbraucherresilienz im Bereich der IT-Sicherheit soll deshalb (potenzielle) Betroffene befähigen, vorbereitet in und möglichst schadensfrei aus einem Vorfall zu gehen. Eine Unterstützung bei der Reaktion auf IT-Sicherheitsvorfälle bietet das CSN des BSI. Ursprünglich 2021 für Kleinst- bis mittelständische Unternehmen installiert, wurde dort das Konzept einer digitalen Rettungskette entwickelt, bei der digitale Ersthelfer*innen (DEH) eine Einschätzung zu dem potenziellen Vorfall geben und, je nach Zielgruppe und Schwere des Vorfalls, diesen an verschiedene Expert*innen weitergeben. Es zeigte sich jedoch schnell, dass ein Großteil der Anfragen von Verbraucher*innen kamen. Bei dieser Zielgruppe ist der Bedarf an einer praktischen und auf den konkreten Fall bezogenen Unterstützung besonders groß: Klick-Anleitungen erscheinen gerade für technisch wenig affine Menschen häufig zu unspezifisch, da sie nicht auf das konkrete Gerät oder Betriebssystem bezogen sind. Aus diesem Grund wurde beschlossen, das CSN genau auf diese Zielgruppe auszurichten. Seit 2026 beraten die DEH exklusiv Verbraucher*innen, ehrenamtlich und auf Augenhöhe. Sie helfen dabei, den Vorfall einzuordnen und erste Schritte einzuleiten, um das Ausmaß des Schadens zu begrenzen. Die Vorfallbearbeitung erfolgt dabei stufenweise:
- Einschätzung des Vorfalls
- Unterstützung bei der Durchführung von Maßnahmen zur Bewältigung
- Empfehlung zur besseren Absicherung in Zukunft
Das zusätzliche Einschalten von zertifizierten Expert*innen als Teil der Rettungskette entfällt damit und der Fokus verschiebt sich ganz auf Digitale Ersthilfe. Zukünftig soll über eine digitale Plattform der Austausch der DEH untereinander gestärkt und die Einbeziehung von BSI-Expert*innen für Nachfragen erleichtert werden. So können herausfordernde Fälle gemeinschaftlich besprochen, Best Practices entwickelt und anderen zur Verfügung gestellt werden.
Mit Blick auf die Verbraucherresilienz ist diese persönliche Unterstützung von entscheidender Bedeutung. Denn Verbraucherresilienz beinhaltet nicht nur individuelle Eigenschaften wie Anpassungsfähigkeit und lebenslange Lernbereitschaft, sondern auch eine soziale Dimension: die Möglichkeit, auf ein Netzwerk von Personen mit entsprechender Expertise zurückzugreifen, wie es durch das CSN des BSI gewährleistet werden soll. Zudem ist gerade in Krisen die Bereitschaft zur Verhaltensänderung besonders groß. IT-Sicherheitsvorfälle schaffen oft ein Bewusstsein über die Ausmaße von digitalen Katastrophen und die Bereitschaft, abstraktes Wissen in konkretes Handeln zu übersetzen. Katastrophenvorsorge im digitalen Raum äußert sich dann z. B. als Einrichtung von Daten-Backups oder das Aktivieren von automatischen Updates für die eigenen Endgeräte. Unterstützungsangebote wie das CSN helfen deshalb nicht nur bei der Bewältigung eines Vorfalls, sondern können Lernprozesse anstoßen und die Resilienz langfristig stärken.
Digitale Krisenvorsorge erschöpft sich also nicht darin, Wissen über sichere Passwörter oder Updates zu vermitteln. Viel wichtiger ist es, Menschen zu befähigen, im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben, Unterstützung zu finden und aus Krisenerfahrungen nachhaltige Lernprozesse abzuleiten. Erwachsenenbildung, gelebt durch die Schulung der digitalen Ersthelfer*innen, aber auch in der Arbeit mit Geschädigten, kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten, wenn sie Prävention, Krisenbewältigung und Reflexion als zusammengehörige Bestandteile digitaler Resilienz versteht und ganzheitlich denkt.