Welche Handlungskompetenzen machen krisensicher?
Tafelbild
Ein Kurbelradio allein schützt niemanden effektiv. Harald Karutz benennt die Handlungskompetenzen, die dazukommen müssen: Improvisation, Entscheidungsfähigkeit, Resilienz, Solidarität und die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten. Grundlage sind Ergebnisse des BBK-geförderten Projekts „BeSchuDi“, das unter anderem die aus der beruflichen Bildung bekannten Kompetenzdimensionen Selbst-, Fach- und Sozialkompetenz für die Bevölkerungsschutzdidaktik ausarbeitet.
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Angelehnt an das internationale Zivilschutzzeichen bildet ein blaues Dreieck den Kern des Tafelbilds. Es steht für die Handlungskompetenzen von Lernenden, die sich in den drei Dimensionen Selbst-, Fach- und Sozialkompetenz entfalten. Im orangen Kreis darum herum sind die drei immanenten Bestandteile des Kerns aufgeführt: Lernkompetenz, Kommunikative Kompetenz und Methodenkompetenz.
Das Tafelbild zeigt, welche Handlungskompetenzen Lernende befähigen, in Krisen und Katastrophen zu handeln. Wie die Erwachsenenbildung dazu beitragen kann, hängt von der Beantwortung mehrerer Fragestellungen ab: Inwiefern wird "Bevölkerungsschutz" überhaupt als ein pädagogisches Handlungsfeld wahrgenommen?? Welche Themen und Lernorte kommen infrage? Welche Ziele werden verfolgt, und was müssen Lehrende dabei beachten? Die folgenden Abschnitte geben dazu einen Überblick.
Status quo
Während „disaster education“ international sowohl in der Forschung als auch in der Praxis seit vielen Jahren etabliert ist, hat die erziehungswissenschaftliche Theoriebildung und Diskussion zu Themen des Bevölkerungsschutzes in Deutschland gerade erst begonnen; in der Erwachsenenbildung wurden Maßnahmen zur Förderung von Selbsthilfekompetenz in Krisen und Katastrophen erst vor kurzem als relevante Themen entdeckt. Auch terminologisch bestehen Unklarheiten: Neben „Bevölkerungsschutzpädagogik“ ist beispielsweise auch von „Notfallpädagogik“, „Krisenpädagogik“ und einer „Pädagogik des gesellschaftlichen Ausnahmezustands“ die Rede.
Themen, Inhalte und Lernorte
Bildungsangebote für den Bevölkerungsschutz umfassen ein breites Themenspektrum: Verschiedenste Schadensereignisse sowie der Umgang mit Gefahren, Risiken und Vulnerabilität gehören ebenso dazu wie die kritische Reflexion von Medienberichten sowie eine Auseinandersetzung mit Ängsten, Sorgen und Befürchtungen. Thematisiert werden sollte natürlich auch, welche Kompetenzen und Ressourcen für die Bewältigung von Krisen und Katastrophen erforderlich sind und wie sich individuelle und gesellschaftliche Resilienz stärken lässt – dies alles kann beispielsweise in Volkshochschulen und Familienbildungsstätten, aber auch in digitalen Bildungsangeboten aufgegriffen werden.
Bildungsziele
Grundsätzlich geht es in Bildungsangeboten für den Bevölkerungsschutz um die Vermittlung von Handlungskompetenz in Krisen und Katastrophen. Häufig steht im Vordergrund, dass einzelne Maßnahmen beherrscht werden, etwa die Bedienung eines Feuerlöschers, die Nutzung einer Warn-App oder Maßnahmen der Ersten Hilfe. Darüber hinaus werden aber auch übergeordnete Bildungsziele adressiert, so zum Beispiel Medien- und Informationskompetenz, Verantwortungsfähigkeit, Flexibilität, Agilität und letztlich Mündigkeit.
Herausforderungen und Anforderungen für Lehrende
Die Zielgruppen von Bildungsangeboten im Bevölkerungsschutz sind im Hinblick auf Alter, relevante Vorerfahrungen, Motivation sowie die jeweiligen Bedarfe und Bedürfnisse sehr heterogen. Dies muss bei der didaktisch-methodischen Gestaltung von Bildungsangeboten, aber auch bei der Bildungsorganisation berücksichtigt werden.
Die Notwendigkeit, Krisen und Katastrophen als Bildungsthemen aufzugreifen, ist stets gegeben, da solche Ereignisse meist nicht planbar sind, aber jederzeit auftreten können. Allerdings sind viele Menschen erst dann dazu bereit, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, wenn sie auch selbst einmal betroffen gewesen sind.
Mögliche traumatische Vorerfahrungen der Lernenden setzen Achtsamkeit und Sensibilität der Lehrenden voraus, weil u. U. auch sehr belastende Erinnerungen wachgerufen werden können, auf die dann angemessen reagiert werden muss. Geflüchtete Menschen, aber auch andere Personengruppen, die bereits Krisen und Katastrophen erlebt haben, sind in besonderer Weise zu berücksichtigen.
Eine didaktisch-methodische Herausforderung besteht auch darin, Lernende aktiv in die Gestaltung von Bildungsangeboten für den Bevölkerungsschutz einzubeziehen. Gerade in diesem Bereich sollten partizipative Ansätze verfolgt werden, um sowohl gegebene Risiken als auch vorhandene Ressourcen angemessen berücksichtigen zu können